GYMNASIUM FÜRSTENRIED
Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium

"Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen"[1], bemerkt der spanische Philosoph und Literaturkritiker George Santayana zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinem Hauptwerk „The life of reason“ und zeigt damit unmittelbar die Bedeutung von Geschichte für unsere eigene Lebenswelt auf. Denn indem wir uns unserer Geschichte bewusst werden und kritisch aus deren signifikanten Auswirkungen auf Vergangenheit und Gegenwart lernen, wird es uns erst möglich, unsere Umwelt in Politik, Gesellschaft und Kultur verantwortungsbewusst im Jetzt, aber auch in Zukunft mitzugestalten und zu verändern.

Steht damit die Unabdingbarkeit von schulischer Geschichtsvermittlung außer Frage, stellt sich dennoch unweigerlich die Frage, wie ein der lebensweltlichen Bedeutung von Geschichte angemessener Geschichtsunterricht aussehen muss. Keineswegs kann es – das dürfte nur allzu deutlich auf der Hand liegen – vor diesem Hintergrund darum gehen, eine unüberschaubare Zahl an reinen Schlagwortfakten auswendig zu lernen und unreflektiert wiederzugeben. Ebenso wenig hilfreich und gewinnbringend erscheint das Pauken hunderter Jahreszahlen. – Worin besteht dann aber guter Geschichtsunterricht im Hinblick auf seine genannte Relevanz?

Guter Geschichtsunterricht muss den Schülerinnen und Schülern grundlegend bewusst machen, dass die Vergangenheit großen Einfluss auf Gegenwart und Zukunft hat. Entscheidende Voraussetzungen für diese Erkenntnis sind dabei ein ansprechender Gegenwartsbezug sowie das Verständnis von Zusammenhängen und Entwicklungslinien, kein stupides Lernen von unverbundenen Fakten und Jahreszahlen.

Guter Geschichtsunterricht muss in diesem Zusammenhang weiterhin darum bemüht sein, die Quellen, aus denen wir etwas über die Vergangenheit erfahren, kritisch auszuwerten. So ist auch das angeführte Zitat Santayanas eine zwar sehr schöne und treffende Begründung für die Relevanz von Geschichte und damit des Geschichtsunterrichts, es wurde von ihm aber ursprünglich in einem völlig anderen Kontext verwendet. Ursprünglich kritisierte Santayana nämlich hauptsächlich einen „naiven Fortschrittsglauben“[2], dem er eine Vorstellung von Fortschritt gegenüberstellte, der eine Veränderung „auf dem Bewusstsein der Vergangenheit“[3] postulierte.

In diesem Sinne guter Geschichtsunterricht soll und wird die Schülerinnen und Schüler daher zu konstruktiven Kritikern und Mitgestaltern unserer Lebenswelt heranziehen, die hinterfragen und nicht hinnehmen, die nachbohren und sich nicht mit Angebotenem abfinden, die sich verantwortungsbewusst in die Gesellschaft einbringen und nicht teilnahmslos partizipieren. Darin und in nichts anderem sonst ist der wahre Zweck des Faches Geschichte zu sehen.

 

[1]Those who cannot remember the past are condemned to repeat it”; zitiert aus: George Santayana: Reason in common sense, in: The life of reason; New York, Band 6, 1905; Seite 115.

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Santayana, zuletzt aufgerufen am 25.02.2013.

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Santayana, zuletzt aufgerufen am 25.02.2013.

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