GYMNASIUM FÜRSTENRIED
Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium

Christliche Lebensdeutung weitet den Blick auf den ganzen Menschen, daher spricht der Religionsunterricht den ganzen Menschen an. Diesem Bemühen dienen Projekte, in denen die Schüler nicht nur kognitiv gefordert und gefördert werden: gemeinsames Singen, Meditieren, Zeichnen, Bibliodrama sind Zugänge, die den kognitiven Ansatz ergänzen.

Siddhartha, was macht uns glücklich?

Hermann Hesses Roman „Siddhartha“ erzählt die spirituelle Reise des Brahmanensohnes Siddharta, der sich mit seinem Freund Gowinda auf die Suche nach Weisheit und Erkenntnis macht. Auf dem Weg probiert der junge Mann die Optionen seiner Kultur und Zeit aus, die zu einem gelingenden Leben führen können: Askese, Sinnenfreuden, Familiengründung, Erfolg im Beruf und die Lehre bei einem Weisen erfüllen Siddhartha trotz des erlebten Glückes nicht mit seelischem Frieden, den er erst findet, als er sich als Fährmann an einem Fluss für immer niederlässt; dort verliert er alles, was er erworben hatte: Reichtum, Sohn, Frau und seinen Freund Gowinda, um die Erkenntnis zu erhalten, dass all dies im Fluss des Lebens wiederkehrt, weil es immer schon gewesen ist. Nach der Erstbegegnung mit dem Text haben die Schüler die einzelnen Kapitel in Szenen umgeschrieben, die sie dann als Schattentheater vor zwei anderen Zehnten aufgeführt haben.

Das Lied vom Liebestraum

Ob Liebesfreud‘ und Liebesleid zu einem gelungenen Leben gehören, ist in den Religionen umstritten. Für Christen gilt das Gebot der Nächstenliebe, zu deren Formen auch die Liebe zwischen Mann und Frau zu zählen ist. Schon im Buch Genesis heißt es, es sei nicht gut, dass der Mensch alleine sei. Der Weisheitslehrer Kohelet empfiehlt seinen Lesern, die Zeit zu nutzen, indem sie mit dem Menschen, den sie lieben, die Zeit unter der Sonne genießen, die Gott ihnen gewährt. Die Liebe ist von jeher ein Unterrichtsthema, das dazu anregt, über sie zu informieren und eigene Vorstellungen von Liebe zu entwickeln. Als Ausdrucksform wird seit jeher das Liebeslied genutzt. Menschen sollten nicht stumm bleiben müssen, wenn es um Dinge der Liebe geht. Die Liebe thematisieren auch die Lieder, die Schüler der 9. Jgst. im Unterricht geschrieben haben. Eines davon ist hier abgedruckt.

 

In der Stille sah ich hinauf zu dir,

es war Nacht und der Mond war wie du.

So glänzend, vertraut und weit weg wie du.

Dennoch greifbar nahe.

 

Alles scheint mir so vertraut, als würde ich es kennen,

als käme es von dir.

Doch wie kann ich dich kennen,

wenn ich doch nichts von dir weiß?

 

Wo bist du? Wenn nicht hier.

Wo bist du? Wenn nicht bei mir.

In jeder Blume, in jedem Tier,

in jedem Windstoß erscheinst du mir.

Mein Liebster, wo bist du?

Wenn doch nicht hier.

 

Alles scheint mir so vertraut, als würde ich es kennen,

als käme es von dir.

Doch wie kann ich dich kennen,

wenn ich doch nichts von dir weiß?

 

Mein Herz ist voll von dir, ich weiß,

du bist immer bei mir.

In mir liegt ein Stück von dir.

Es schützt mich, es wacht, wie die Mutter in der Nacht.

 

Ich weiß, in dir ist auch ein Stück von mir,

welches wacht,

gib trotzdem immer auf dich Acht.

 

Alles scheint mir so vertraut, als würde ich es kennen,

als käme es von dir.

Doch wie kann ich dich kennen,

wenn ich doch nichts von dir weiß?

 

Wir waren mal Eins.

Kannst du dich daran erinnern?

Mein Liebster, ich wünschte, du wärst wieder mein.

Auch wenn das Stück sich niemals wieder vereint.

Wir hatten gehofft, es wäre für immer.

 

Ich habe gehofft, es wäre für immer.

Nun bist du hier, stehst vor mir.

Wir sind zusammen, wie ich es wünschte,

doch nun weiß ich, Liebe hält nicht für immer.

 

Alles scheint mir so vertraut, als würde ich es kennen,

als käme es von dir.

Doch wie kann ich dich kennen,

wenn ich doch nichts von dir weiß?

 

Von Anna Denk und Leoni Brumm

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Das Heilige Land erzählt

Lessing bezeichnete die Frage, was uns das Schicksal eines Menschen angehen solle, das weit über 1000 Jahre zurückliegt, als den garstigen Graben der Geschichte, der uns vom Leben des Jesus von Nazareth trennt. Diesen Graben zu überwinden ist Aufgabe des Religionsunterrichts und kann unter anderem über das ästhetische Erleben der Lebensgeschichte Jesu gelöst werden. Wenn die Schüler in der Unterstufe eine Karte mit den Stationen im Leben Jesu malen, lernen sie, genau hinzusehen. Sie müssen Städte und Dörfer in entsprechender Größe und angemessenen Abständen auf der Karte einzeichnen, sie müssen Wüste und Grünland farblich so verteilen, wie es den geografischen Gegebenheiten entspricht. Zudem aber zeichnen wir nach dem Vorbild mittelalterlicher Stationenbilder auch sprechende Gegenstände in die Karte ein: Schweine stürzen sich in den See, eine Schlange ringelt sich am gefährlichen Abgrund, im Stall steht der Ochs neben dem Esel. So beginnen die Karten zu sprechen; da jedoch jeder Schüler seine eigene Karte malt, sprechen diese auch vom Schüler selbst, sodass wir als Betrachter etwas von unseren Schülern und von Jesus zugleich erfahren. Die abgedruckten Karten stammen von Schülern aus der sechsten Jahrgangsstufe.

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Unsere kleine Ausgabe vom Neuen Testament

Das Leben Jesu ist zugleich eine Folge biografischer Ereignisse, die die Person Jesu von Nazareth als Mensch seiner Zeit erzählen. Zugleich sind diese Ereignisse auch Vorbildmomente, die uns zum Nachahmen anregen sollen. Im Unterricht ist der Raum, dieses Nachahmen als Bibliodrama emotional erfahrbar zu machen; aber auch zeichnerisch können wir den Ereignissen einen künstlerischen Klangraum geben. Dabei geht es unter anderem darum, dass die Schüler als Gruppe malerisch sichtbaren Anteil nehmen, indem sie das Allgemeine, Menschliche, mit dem Persönlichen, Eigenen verbinden. Diesem Zweck dienen Schablonen für die Figuren und den Rahmen der Bilder, die die Schüler nach dem Vorbild der Decke von Zillis, einem Ort in der Schweiz abgenommen haben. Die Gestaltung der Bilder zu einzelnen Stationen im Leben Jesu erhalten so einen Jesus, der in jedem Bild, gleichgültig, welcher Schüler es gezeichnet hat, wieder erkannt werden kann. Zugleich hat jeder Schüler die Freiheit, diesen Jesus farblich und in seiner Position im Bild und seiner hinwendenden Gebärde zu den nächsten Menschen selbst zu gestalten. So haben wir in der fünften Jahrgangsstufe als Religionsklasse eine eigene kleine Ausgabe des neuen Testaments geschaffen, die von uns und von Jesus zugleich erzählt: links der Text in Abschrift durch die Schüler, rechts die Illustration.

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