Theaterrezension: Die Leiden des jungen Werther

Von Johann Wolfgang von Goethe

„Melone > Pistole > Schuss > Loch“ ist nur ein Ausschnitt der Notizen, der zu Beginn des Stücks „Die Leiden des jungen Werthers“ auf meinem Blockblatt gelandet ist. Besonders häufig ist das Wort „seltsam“ inmitten wirrer Stichpunkte- ein Beispiel hierfür wäre: „Werther > keine Schuhe mehr“- anzutreffen.

„Ungewöhnlich“ trifft die Inszenierung des Stückes „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe durch das Theater Erlangen schon ganz gut.

Nicht bloß die Art der Darstellung dieses, dem Sturm und Drang zuzuordnenden, Werkes mag bizarr erscheinen, auch die Form des Theatererlebens ist Neuland für viele der Zuschauer. Statt in einem, mit vorfreudigen Menschen gefüllten Theatersaal zu sitzen, findet man sich innerhalb seiner 4 Wände auf der Couch wieder.

Da aufgrund der momentanen Corona-Situation keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden können, entschied sich das Theater Erlangen bereits im Mai des letzten Jahres dazu, die Aufführung online anzubieten.

Am 04.03.2021 kamen nun auch die Klassen 10d und 10e in den Genuss dieses Schauspiels. Nach einer kurzen Anmeldung erhielten wir einen Link zu einem YouTube Video, welches uns und weiteren Zuschauern in einem begrenzten Zeitraum zur Verfügung stand.

Mit nicht mehr und nicht weniger Wissen, als dass der Protagonist Werther über seine Liebesbeziehung zu der, mit einem anderen Mann verlobten, Lotte berichtet und schließlich Suizid begeht, ließ ich das Theaterstück auf mich wirken.

Verkörpert, wird die Person des Werthers durch den Schauspieler Max Mehlhose-Löffler.

Bereits der Beginn des Theaters wirft einige Fragen auf und lässt vermutlich selbst Kenner des Werkes für einen kurzen Moment stutzen.

Kein Wunder, denn der Protagonist, eine Wassermelone in der Hand haltend, scheinbar bezugsloses Zeug faselnd, erweckt einen fast schon verrückten Eindruck. Der Schuss in die Wassermelone durch den Werther –hier Hinweis zu seinem späteren Selbstmord- schwächt diesen Eindruck nicht wirklich ab. Seinen extremen und aufgedrehten Charakter behält der Darsteller das ganze Stück über bei. Emotionale Sprache sowie ausdrucksstarke Mimik und Gestik verhelfen ihm dazu, den Zuschauern Werthers schwankende Gefühlslage nahe zu bringen.

Auffällig sind zudem das eher rustikale, aus drei folienartigen Wänden und einem in der Mitte platzierten Tisch bestehende, Bühnenbild, das das ganze Stück über beibehalten wird.

Zu den wohl am häufigsten genutzten Requisiten gehören ein Mikrophon, mit dem Werther eigens erzeugte Geräusche einfängt und zu einer, an die jeweilige Situation speziell angepassten, „Hintergrundmusik“ entstehen lässt, eine Schallplatte, die einen ruhigen Song spielt und eine Vielzahl an Pflanzen, die Werther Trost in Zeiten der Einsamkeit und Verzweiflung spenden oder eine Situation unter Verwendung von Licht und Kamera veranschaulichen. Letzteres möchte ich gerne noch weiter ausführen.

Neben dem bereits genannten Zubehör, bilden zwei Schreibtischlampen und eine Kamera einen weiteren wichtigen Bestandteil der Ausstattung. Diese positioniert der Solodarsteller passend zu den, auf dem mittig liegenden Tisch stehenden, Pflanzen. So kreiert er ein Livebild bzw. Video, das auf eine der drei Leinwände projiziert wird und die gegebene Situation verbildlicht.

Diese Einbindung der Natur in das Theaterstück verweist auf die Lyrik des „Sturm und Drang“. Bei der Lyrik des „Sturm und Drang“ wird die Natur als Quelle der Individualität und Kreativität angesehen, sowie als eine Einheit zwischen Mensch und Erde verstanden. Besonders dieses Merkmal des „Sturm und Drang“ wurde hier auf eine für manche mehr, für manche weniger lustige Art und Weise hervorgehoben. So sah man den Protagonist doch kurzzeitig traurig an einer Möhre kauen und sich selbst bemitleiden.

Insgesamt gestaltete sich das Werk hinsichtlich seiner Gefühle sehr abwechslungsreich. Fröhlichkeit, Verliebtheit, Verlangen, Liebeskummer, Liebe, Neid, Verzweiflung und Trauer, um die zeitlich gestaffelten Gefühlszustände grob zu skizzieren. Letztlich bewegt die Person des Werthers jedoch nicht Selbstmitleid, sondern Aufopferung zum Suizid. Sein Selbstmord wird durch das Aufräumen des Bühnenbilds durch den Solodarsteller eingeleitet und schließt die Theatervorstellung –erinnert man sich an den, zu Beginn der Vorstellung durch die Wassermelone symbolisierten Selbstmord- passend ab.

Ich hoffe, euch durch diese Theaterrezension einen kleinen Einblick in die Inszenierung des Theaterstücks „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe gewährt zu haben. Habt ihr nun einen ähnlich seltsamen Eindruck von der Inszenierung, ist es, als wärt ihr beinahe dabei gewesen. 🙂

Nora Greß, Klasse 10e

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