Von Hurenkindern, Schusterjungen und Zwiebelfischen

Das W-Seminar „Medienrevolution Buchdruck“ zu Besuch in der Manufaktur für Bleisatz und Druck bei Willi Beck in Dachau

Coronabedingt aufgeteilt in zwei 5er-Gruppen besuchten wir an zwei Dienstagen im November Herrn Willi Beck in seiner Druckerei in Dachau. Diese Druckerei ist noch eine der wenigen, in der man noch das alte – seit Gutenberg fast unveränderte Verfahren – des Druckes mit beweglichen Lettern ausüben kann.

Mit großem Enthusiasmus erzählt uns Herr Beck von seinem „Verein für die Schwarze Kunst e.V.“, der sich dafür einsetzt, das „handwerkliche Können des Schriftgießens, des Handsatzes und des Buchdrucks“ zu erhalten. Währenddessen zeigt er uns einige der Arbeiten, die er und einige Stipendiatinnen in letzter Zeit an seiner Presse gedruckt haben: reich illustrierte Kalender, Postkarten, Bücher und vieles mehr.

Anschließend werden wir in das Jahr 1450 versetzt, als Gutenberg das erste Druckwerk mit beweglichen Lettern druckt: Die 42-zeilige Bibel. Wir erhalten eine detaillierte Einführung in die Arbeit eines Schriftgießers, Setzers und Druckers vor 570 Jahren.

Kurz darauf schreiten wir aber selbst zur Tat: Alle SeminarteilnehmerInnen drucken und setzen das Titelblatt der – im November des nächsten Schuljahres abzugebenden – Seminararbeit selbst. Und das gestaltet sich schwieriger als zunächst gedacht: In den ca. 10 Tonnen Material – wie Herr Beck ausführt – den Überblick zu behalten, ist gar nicht so leicht. Doch nach kürzester Zeit sind wir gebannt von den einzelnen Lettern und sind eifrig beschäftigt, jeden einzelnen S-A-T-Z Wort für Wort spiegelverkehrt im Winkelhaken zu S-E-T-Z-E-N. Uns wird bewusst, welche Arbeit es ist, die richtigen Buchstaben im Setzkasten zu finden, die zu druckenden weißen Zwischenraum zu setzen und danach alles auf das Setzschiff zu übertragen. Dann der große Moment: Das Setzschiff wir auf der Buchpresse justiert, die Druckfarbe darauf gegeben, das Blatt Papier eingespannt und dann gedruckt.

Insgesamt benötigten wir in Teamarbeit mehr als zwei Stunden. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Alle Hurenkinder (schlecht gesetzter Seitenanfang), Schusterjungen (schlecht gesetztes Seitenende) und Zwiebelfische (Buchstabe einer anderen Schriftart im Satz) wurden entfernt. Lediglich das spiegelverkehrte „d“ in „Benebikt“ wurde zu spät erkannt….

Hiermit danken wir nochmal Herrn Beck, dass er sich die Zeit nahm, uns in die Schwarze Kunst einzuführen und uns die Gelegenheit bot, unsere Titelseite selbst zu setzen und zu drucken.

Seitdem macht man sich auch beim Schreiben am Computer viel mehr Gedanken, wie man eine Seite gestaltet und formatiert, welche Schriftgröße und v.a. welche Schriftart man wählt.

Kgl

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